Die DGB-Region Mülheim-Essen-Oberhausen – Struktur und Mitglieder
Die dramatischen Umbrüche von Arbeits- und Produktionsstrukturen, die Globalisierung der Wirtschaft, Massenarbeitslosigkeit und chronische Unterbeschäftigung stellen die Gewerkschaften und den Bund vor große Herausforderungen. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und technische Veränderungen vollziehen sich schneller denn je. Trends, Stimmungen und Erwartungen an die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft wandeln sich dabei ständig. Das gilt auch gegenüber solchen Großorganisationen wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund.
Auf diese Dynamik müssen sich DGB und Gewerkschaften einstellen; denn eines gilt heute so gut wie vor über 100 Jahren: Sozialer Ausgleich und die Teilhabe von Arbeitnehmern am gesellschaftlichen Fortschritt sind nicht die Folge der demokratischen und sozialen Haltung der Arbeitgeber und der Politiker. Kein Tarifvertrag, keine Lohnerhöhung, keine Mitbestimmung oder Sozialgesetzgebung sind uns je geschenkt worden. Sie alle wären ohne die Durchsetzungsfähigkeit starker Gewerkschaften undenkbar; und diese Stärke erwächst aus einer großen Zahl von Mitgliedern.
Deshalb gilt es, gegen den Trend zunehmender Individualisierung bei Arbeitnehmern das Bewusstsein für die Notwendigkeit kollektiver Interessenvertretung zu stärken.
Auch organisatorisch musste auf diese Veränderungen reagiert werden, ohne an Einfluss, Wirksamkeit und Schlagkraft zu verlieren oder wichtige Politikfelder preiszugeben.
In NRW wurde diesem Ziel 1995 durch eine Vergrößerung von DGB-Kreisen zu Regionen entsprochen. Die Grenzen der neugebildeten Regionen orientieren sich heute an den Strukturregionen in NRW und nicht mehr an kommunalen Gebietskörperschaften. Besondere Beachtung fanden unter anderem die Standorte von Arbeits- und Sozialgerichten, die Arbeitsamtsbezirke und die Zuständigkeitsbereiche der Industrie- und Handelskammern.
Die größere Ausdehnung der DGB-Regionen ist durch die verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten heute kein Problem mehr. Das gilt in besonderen Maße für die dichtbesiedelte Region Mülheim-Essen-Oberhausen (MEO). Die vergleichsweise geringe Flächenausdehnung und gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur stellen hier keine unangemessenen Ansprüche an die Mobilitätsbereitschaft der Mitglieder und Funktionäre. Die Übereinstimmung mit den Grenzen des IHK-Bezirks ist ein weiteres positives Merkmal.
Zum Einzugsgebiet der DGB-Region MEO zählen zwei Arbeitsamtsbezirke, zwei Arbeitsgerichte und ein Landessozialgericht. Alle drei Städte Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen haben zusammen weit über 1 Mio Einwohner und mit Essen gehört zur DGB-Region die drittgrößte Stadt Nordrhein-Westfalens.
Der Strukturwandel dieser ehemals von der Industrie geprägten Region schlägt sich auch in den Mitgliederzahlen der Gewerkschaften nieder. In Essen und Oberhausen, wo der Wandel zum tertiären Sektor am weitesten fortgeschritten ist, ist ver.di die größte Gewerkschaft, in Mülheim ist es noch die IG Metall. Die Mitgliederverluste in den Industriegewerkschaften werden jedoch nicht von entsprechenden Mitgliederzuwächsen im Dienstleistungs- und öffentlichen Sektor ausgeglichen; ebenso wenig wie die Arbeitsplatzverluste der Industrie durch etwa neu entstehende Arbeitsplätze im tertiären Sektor kompensiert werden.
Die DGB- Region MEO hat ihren Sitz in Essen. Die Gewerkschaften sind mit 13 Geschäftsstellen vertreten und zählen insgesamt weit über 122.000 Mitglieder.
